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Forum 2010
 
Wohneigentum in der Schweiz - wohin?
Dr. Luca Roncoroni (Text), André Springer(Fotos)
 

Es ist hinlänglich bekannt, dass die Wohneigentumsquote in der Schweiz gegenüber anderen Ländern tief ist. Dass die Quote indes kontinuierlich steigt, ist - nicht zuletzt dank dem Einsatz des Hauseigentümerverbands auf allen Ebenen - ebenfalls bekannt. Hat dies auch Nachteile oder überwiegen die positiven Folgen? Und welchen Einfluss hat eine höhere Eigentumsquote auf die Immobilienwirtschaft, auf die Politik und auf die Raumplanung? Diese Themen zu erörtern und zu diskutieren war der Inhalt des diesjährigen Kyburg-Forums.

     
Hans Egloff  

Benedikt Loderer

Kantonsrat Hans Egloff, Präsident HEV Kanton Zürich   Benedikt Loderer, Stadtwanderer
 

Nach der Begrüssung der gut 180 Gäste aus Politik und Kultur übergab Hans Egloff das Mikrofon an Benedikt Loderer. Der Gründer und langjährige Chefredaktor der Zeitschrift "Hochparterre" und heutige Stadtwanderer ist bekannt dafür, dass er von Wohneigentum nicht gerade begeistert ist. Und so zeigte er in seinem Referat anhand von zehn starken Sätzen auf, dass eine tiefe Wohneigentumsquote ein Vorteil bzw. eine hohe Quote für die Schweiz zu einer Krankheit werden kann.

So ist Loderer der Ansicht, dass Hauseigentümer – und insbesondere die Besitzer von «Hüsli» – durch den Erwerb von Wohneigentum die Freiheit verlieren, da sie dann aufgrund der Hypotheken nicht mehr unabhängig und frei in ihren Entscheidungen seien. Durch diese Abhängigkeit – die zudem noch vom Staat gefördert wird – steige die Ängstlichkeit und die Vorsicht im Lande, weshalb dies zu einer Verteidigungshaltung führe und die geistige wie physische Mobilität zu beinträchtigen vermöge. Deshalb seine kernige Schlussfolgerung respektive einer seiner starken Sätze: Eigentum formt Spiesser.Weiter zeigt sich Loderer in seinem Referat überzeugt, dass auch in der Schweiz die Hauseigentümer Wohneigentum aus Spekulationsüberlegungen erwerben und vergleicht die Schweiz dabei insbesondere mit England. Loderer ist der Ansicht, dass in der Schweiz immer davon ausgegangen wird, dass es stetig aufwärts geht und alles besser wird. Die Möglichkeit eines Rückschritts oder sogar einer Krise werde verdrängt. Darin sieht er eine grosse Gefahr, da aus seiner Sicht der stetig positive Wirtschaftsgang zu sehr als Basis für die Finanzierung des Wohneigentums angesehen wird.

Podium
Lebhafte Podiumsdiskussion (v.l.): B. Loderer, L. Ziörjen, M. Spieler, V. Reese, W. Natrup

Das Referat von Benedikt Loderer und seine «zehn starken Sätze» boten eine Fülle von Themen und Aussagen für die anschliessende äusserst kurzweilige Podiumsdiskussion unter der Leitung von Martin Spieler, Chefredaktor der «SonntagsZeitung». So bestätigte Lothar Ziörjen, Stadtpräsident von Dübendorf, dass sich Besitzer von Wohneigentum mehr in der lokalen Politik und Gesellschaft engagieren und damit tatsächlich mehr gesellschaftliche Verantwortung übernehmen. Zudem hielt er fest, dass in seiner Gemeinde viele Neubauten auf den Flächen von abgerissenen alten Objekten erstellt wurden und damit relativ wenig bisher unverbautes Land verbraucht wurde. Dem Vorwurf der Zersiedlung durch Wohneigentum hielt Wilhelm Natrup, Kantonsplaner, entgegen, dass zumindest im Kanton Zürich klare Grenzen zur Bebauung bestehen, die auch eingehalten werden, und dass die Fläche des Baulands nicht weiter ausgedehnt wird. Auf die Frage nach einer sich aktuell bil-denden Immobilienblase antwortete Vera Reese, Leiterin Immobilien Research bei Sal. Oppenheim, dass sich in bestimmen Regionen sicher entsprechende Tendenzen ausmachen liessen, dies aber nicht für die ganze Schweiz Geltung haben kann.

Auch nach einer sehr spannenden und belebten Podiumsdiskussion sowie verschiedenen Voten aus dem Publikum blieben die Positionen von Befürwortern und Gegnern von Wohneigentum im Grundsatz gegensätzlich. Eine einvernehmliche Antwort der Teilnehmenden der Gesprächsrunde auf die Frage, ob die «Hüsli» nun gut oder schlecht für die Schweiz seien, liess sich nicht finden. Dies war aber auch nicht das oberste Ziel des Abends, und das Gegensätzliche der jeweiligen Ansichten war gerade das Spannende des diesjährigen Kyburg-Forums. Dies führte auch beim anschliessenden Apéro zu weiteren lebhaften und intensiven Diskussionen unter den Anwesenden.

Publikum Teilnehmer